Träume und Männer

Eigentlich weiß ich mal wieder nicht, wo ich anfangen soll. Das Chaos ist fast perfekt. Obwohl es auf der nach oben offenen Schweizer-Tibeter-Skala vielleicht gerade erst Stufe 2 erreicht hat.

Heute Nacht bin ich nach einem ziemlich seltsamen Traum verwirrt aufgewacht und wusste nicht, wo ich mich befinde. Im Dunkeln kamen mir die Konturen meiner Möbel ziemlich unbekannt vor. Erst als ich das Licht anknipste, wurde mir bewusst, dass ich wieder zuhause in LE war.

Vor ziemlich genau 2 Tagen hatte ich dasselbe schon mal in ZH. Verwirrt und verschwitzt, wachte ich auf und hatte keine Ahnung, wo ich war.

Nur in 2 Dingen unterscheidet sich die Situation – Träume und Männer.

Beim ersten Mal lag T. neben mir und wachte ebenso erschrocken wie ich auf, um mir zu erklären, dass ich in der Schweiz wäre. Ich war sauer – das wusste ich doch. Ziemlich mies. Ich hatte einen besseren Orientierungssinn als er und ich war in Geografie nie schlechter als 2. Oje, da fängt das Problem schon an in Schweizer Maßstäben natürlich Geographie und nie schlechter als 5. Eigentlich ja auch Massstäbe. Glaube ich. Sicherlich muss ich mir noch überlegen, welche Normen ich hier anwenden werde.

Der Unterschied zum zweiten Mal sind etwa 600 km, eine andere Wohnung und ein leeres, kaltes Bett neben mir. Ich musste mir selbst die Lampe anmachen und niemand hat mir verraten wo ich war!

Zumindest war wenigstens der Traum beim zweiten Mal besser. Während ich in ZH träumte, ich müsste mich auf dem Rücken liegend durch ein total enges rotes Labyrinth schlängeln, wuchsen in LE riesige, saftige,  süße Erdbeeren durch mein Klassenzimmerfenster und mangels besserer Ideen schickte ich meinen Klassensprecher zu Lidl Milch und Haferflocken für die ganze Klasse holen um mit ihnen gemeinsam Früchtemüsli zu machen.

Der Tag mit L. meinem Sohn verlief dann ziemlich normal. Lesen, essen, spielen. Zwischendurch immer mal wieder Shapaley hören, der mir wie in Ohrwurm durch den Kopf rast. Ich wünschte, ich könnte besser tibetisch, dann würde ich mehr verstehen als “Amala dang Pala” (Mama und Papa). Heute Nacht werde ich  ihn mir unters Kopfkissen legen und dabei hoffen, dass ich im Schlaf lerne.

Da das allerdings selten funktioniert, habe ich mich vor Wochen endlich getraut und Kontakt zur Uni aufgenommen und jetzt  werde ich alle Tibetologen so lange auf deutsch nerven, bis ich es perfekt auf tibetisch kann.

Von T. habe ich trotz Whatsapp den Tag über recht wenig gehört, weil in der Firma wieder recht viel eskaliert war und er einen Call nach dem anderen mit Indien, Amerika und wahrscheinlich auch dem Takatukaland eröffnen musste, damit alle Kunden zufrieden waren. Critical Incident Manager nennt sich der Job, aber ich bin mir sicher, dass es in den meisten Fällen nicht kritischer ist, als sich einen Splitter einzuziehen, obwohl man immer denkt, in der Firma würde der nächste Weltkrieg ausbrechen.

Wirtschaft eben.

Da lobe ich mir mein Dasein im Schuldienst.

Am späten Nachmittag habe ich noch mit Ch. telefoniert. Sein ältester Sohn. Er hatte seinen ersten Schultag nach den Ferien und ich wollte schauen, wie es lief. Schließlich war es der Beginn vom Ende. Also kurz gesagt sein letztes Schuljahr, bevor er hoffentlich eine Lehre anfangen würde. Abschlussprüfungen gibt es ja in der Schweiz offenbar nicht.

Blöderweise wurde das Gespräch mehrfach unterbrochen, bevor mir eine nette Frauenstimme erklärte, dass eine Verbindung leider nicht hergestellt werden kann. Hmmpf.

Über Whatsapp erfuhr ich von T., dass wahrscheinlich die letzte Rechnung nicht so pünktlich bezahlt wurde. Wiedermal. Das todsichere Ende für Skype heute Abend.

Dann also eben doch Shapaley unterm Kopfkissen.

 

 

 

 

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