Working Class Hero – Wie T. kurz die Firma rettete

31,5 h….Stolze Bilanz der Überstunden von etwa 3 Wochen. Wobei ich glaube T. hat sich dabei gewaltig verrechnet. Seit 3 Wochen sieht mir auf Skype ein Mann entgegen, der extrem nach diesen chinesischen, faltigen Hunden, Shar- Pei, aussieht.

Mit jedem Tag werden seine Augenringe größer und sein Durchhaltevermöge schlechter. Mein Tibeter, der doch allen Ernstes behauptete, Tibeter würden erst spät ins Bett gehen und bräuchten wenig Schlaf, lässt schon gegen 20:45 Uhr ein leises, kaum wahrnehmbares Schnarchen hören. In diesem Moment weiß ich meist nicht, ob ich ihn lieber in den Arm nehmen würde oder ihm erklären sollte, dass er auch ein Recht auf Erholung hat und ganz schön dumm ist, sich so für die Fima reinzuhängen.

Meist wecke ich ihn nur einfach, weil ich es nicht ertragen kann, wie er zusammengekrümmt vor der Webcam sitzt, sage ihm, er soll Zähne putzen gehen und schicke ihn ins Bett. Danach lege ich mich selber schlafen.Skype neben mir um das schöne Schnarchen die ganze Nacht als Soundtrack zu meinen Träumen zu genießen.

….nur…

….nur leider verändert sich der Soundtrack im Laufe der Nacht.

Gegen drei oder vier Uhr morgens werde ich jäh vom Geklapper der Tastatur geweckt – wahlweise höre ich auch Stimmen. Wie ein Duracell-Häschen sitzt T. wieder vor dem Computer und spricht mit sich selber, versucht Kollegen oder Anwälte zu kontaktieren, um den Fall in die richtige Richtung zu lenken und schreibt Mails. Die Vertragsverhandlungen befinden sich in einer kritischen Phase und jede einzelne Handlung könnte aus dem fragilen Gebilde der Einigungen einen Haufen wertlosen Müll machen.

Zu dieser Tageszeit kommen dann meist zu Ts Shar-Pei-Augenringen eine Art Albert-Einstein-Gedächtnisfrisur und eine elegant Adams-Family-Blässe. Wenn ich nicht so hart im Nehmen wäre, könnte ich nach diesem Anblick sicher keine Minute mehr ruhig schlafen.

Aber da meine liebevollen Worte und Mahnungen in  Ts hallendem Echo nur noch kurz den Auftrag zu retten untergehen, drehe ich mich um und träume weiter.

Und jeden Tag kommt die Nachricht, dass der Vertrag schon fast unterschrieben ist …

…und tatsächlich… das Wochenende wurde ruhiger.

…außer das T. alles für seine Vertretung vorbereiten musste.

Nein. Leider hatte T. keinen Urlaub genommen und krank war er auch nicht. Es  stand einfach nur ein wichtiger Kurs der Firma an und die Vertretung konnte natürlich nicht ohne Anweisung arbeiten.

Und damit T nicht in den Zustand der Entwöhnung kommt, schläft er weiter kurz vor neun ein und lernt dann nachts am Vorkurs.

Den hätte er nämlich schon seit 3 Wochen erledigen sollen, aber da hat er sich die Zeit mit anderem Unfug vertrieben. So hat er wenigstens noch genug zu tun. Nichts ist T. lieber.

Ein echter Working Class Hero eben.

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