Quo Vadis Karma? – Eigentlich müsste ich zur Ruhe kommen.

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In LE angekommen telefonierte ich mit Kollegen, räumte die wenigen schmutzigen Sachen,  die ich mitgebracht hatte in die Waschmaschine,  goss wieder Blumen und ging einkaufen.  Diesmal wollte ich die vergessenen Geschenke mitbringen.  Als ich endlich zur Ruhe kam, fühlte sich die Wohnung kalt und leer an. Kein L, kein T. Nur Stille.  Ich versuchte T. anzurufen,  doch der war noch nicht zuhause. Es war kurz vor 20:00. Eigentlich bräuchte ich für Ernstfälle wie diese je eine Mini-Kamera-Drohne für mich und T. und eine Standleitung ohne Unterbrechung bei Skype. Eigentlich.  Uneigentlich kann ich mir wenn ich Sehnsucht habe,  immerwieder nur die Finger wund telefonieren.  20:20 Uhr.  Kein T. am anderen Ende.  Nur Ch. der mir erklärt,  dass Pala bei seiner Ex wäre,  um mit den beiden Kleinen zu sprechen und zu essen.
Bafffff.. Tiefschlag.  Ich bin kaum 12 Stunden weg und sein Pragmatismus setzt wieder ein. Keine Sehnsucht,  keine Anrufe, nur systematisches Abhandeln des Alltags.  Wenn es dabei rein zufällig Essen bei der Ex gibt, stört das auch keinen großen Geist.

21:00 Uhr.  Endlich erreiche ich T. Ich erkläre ihm, dass ich einsam und traurig bin und es mich verletzt,  wenn er am Abend nach meiner Abfahrt nicht ebenso traurig zuhause sitzt und mit mir telefoniert, sondern seinen Pragmatismus auslebt.  Verstehen will mich T. nicht wirklich. Vorsichtig versuche ich mein Wissen über Mediation anzuwenden und die Situation zu entschärfen.  Doch irgendwie dringe ich nicht zu ihm durch.  Egal wie sehr ich die eigene Wut hinter Gitter sperre. Es wird später und später.  Ich rede über Emotionen,  er redet über Fakten.
Eigentlich sollte ich schlafen.  Eigentlich.  Uneigentlich ist es bereits kurz vor 23:00 Uhr als ich das Gefühl habe,  wir sind wieder ungefähr auf einem Nenner.
Doch auch das ist ein Trugschluss. Mein Körper hat andere Ziele. Gerade als ich mich verabschieden und auflegen will, versteifen sich sämtliche Muskeln und ich breche unkontrolliert in Tränen aus.  Meine Atmung wird immer hektischer, ich beginne zu würgen und mir wird schwindlig.  Plötzlich werden meine Gliedmaßen schlaff und vor meinen Augen ist es schwarz.  Ich weiß nicht mehr,  wie lange das ganze geht, doch am nächsten Morgen fühle ich mich erschöpft und alles tut weh. Ich bin mir unsicher,  ob ich die lange Fahrt nach ZH mit L. auf mich nehmen soll unter diesen Umständen. Ich fahre trotzdem,  auch wenn mein Körper dieses Machtwort gesprochen hat.
In ZH angekommen ist von Erholung keine Rede. 3 Zimmer 6 Menschen.  L.  schläft übers Wochenende solange die Kleinen da sind mit in unserem Schlafzimmer. Intimität vorbei. Die Tage sind ein Kampf.  Unterschiedlicher können Kinder nicht sein und manchmal glaube ich,  mein Kind, auf das ich so unendlich stolz bin, ist nicht real, in dieser anderen Welt,  in der nur PSP,  Beats und Handy zählen.  Wie ein fast ausgestorbenes Tier kommt mir L. unter T.s Kindern vor. Er liest und bastelt,  malt und baut und hält sich an die Regeln.  Ganz surreal fügt er sich in die Szene.
Ab Montag genießen wir die Tage dann entspannt. Nochmal rauschen wir nach Luzern und gehen ins Museum. Am Dienstag gehe ich mit L. ins Kulturama. Der Mittwoch liegt mir schwer im Magen.  Die Abreise naht.
Eigentlich möchte ich nicht nach LE. Ich hoffe,  wenigstens die letzten Stunden mit T. nutzen zu können.
Doch nach der Arbeit muss der direkt zur Ex. Ein Familienhelfer versucht die verfahrene Lage mit dem Jüngsten zu retten und T. verspricht mir spätestens 18:30 Uhr zurück zu sein.
19:30 Uhr gebe ich das Warten auf. Weder Ch. noch T. sind wieder zurück.  Ich esse mit L. und bringe ihn ins Bett. Dann versuche ich T. zu erreichen. Er antwortet mit “Ich komme”. Nach einer halben Stunde ist er allerdings immer noch nicht da. Ich werde wütend.  Als er er 20:30 Uhr endlich kommt, isst er mit Ch. in aller Ruhe,  nach dem er mir ein kurzes Sorry zugeraunt hat.  Dann reden sie und widmen sich der Zahnpflege.  Es wird immer später und in mir verkrampft sich alles.  Weiß er nicht,  dass wir morgen fahren?  Wird er mich nicht vermissen?
Ich möchte heulen,  wegrennen, mich klein machen,  mich verkriechen.  Doch T. kommt immer noch nicht.  Er muss wiedermal eine wichtige Mail für die Firma versenden.  Nun platze ich. Ich schubse ihn, trete, weine und schlage auf ihn ein. Meine Verzweiflung kennt keine Grenzen. Er ignoriert mich, versucht mich später zu halten,  mich zu trösten.
Doch das Gefühl ist weg.  Nur Leere macht sich in meinem Körper breit.
Eigentlich sollte er um jede Minute mit mir kämpfen,  eigentlich sollte ich zur Ruhe kommen, eigentlich gehört ein Ring an meinen Finger und ein Mann an meine Seite,  eigentlich sollte ich dieses moderne Nomadentum aufgegeben und sesshaft werden,  32 Stunden Zugfahrt in zwei Wochen, eigentlich sollten mich zwei starke Arme halten. Uneigentlich bleibt mir nur sein roter Schal, ein letzter Kuss und ein EIGENTLICH zu viel. ..

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