Die dunkle Seite der Macht – Wie das Karma mich herausfordert

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Ich würde nicht sagen,  ich bin perfekt. Noch weniger bin ich direkte Anwärterin aufs Nirvana. Aber ich kann es auch nicht ändern,  eher mich aufzugeben, als andere.  Am Tag nach meinem Nervenzusammenbruch fuhr ich mit L. zu T. Mein Körper war immer noch wackelig und mein Geist fühlte sich leer an. Als schwamm in Zeitlupe an mir vorbei.  Nur die Sorge um mein Kind verschaffte mir einzelne wache Momente.  Beim Aus- und Umsteigen überwachte ich mit Argusaugen,  dass er nicht verloren ging und ihm nichts passierte. Kaum saß ich im nächsten Zug, schaltete mein Körper auf Standby, nicht ohne mich vorher nochmal mit Schwindel und Übelkeit zu plagen. So ging das eine ganze Weile.  L. hörte Hörspiele, so dass ich mir hier wenigstens keine Sorgen machen musste. 
Ich sollte endlich anfangen,  die Zeichen ernst zu nehmen und mehr an mich und ihn denken,  anstatt einer Illusion nachzurennen.
Rumms…Ein lauter Knall ließ Adrenalin und Aufmerksamkeit hochschnellen. Ich schaute mich um. Eine alte Dame war in einer Kurvenfahrt umgefallen und lag rücklings im Zug.  Ich dachte nicht nach,  sondern lief zu ihr und versuchte ihr aufzuhelfen. Krücken und Koffer lagen im Zug verteilt.  Die anderen Fahrgäste glotzten. Allein bekam ich die jammernde Dame, die in Freiburg aussteigen wollte nicht nach oben.  Aber auch die Zugbegleiterin, die ich ansprach,  erklärte mir nur, sie müsse erst ihr Tablett wegbringen,  bevor sie mich unterstützen konnte. Mit aller Anstrengung kam die Dame schließlich auf die Beine. In Freiburg half ich ihr schließlich mit dem Koffer nach draußen. Der Rest ist schnell erklärt.  Eine stressige Ferienwoche, kaum Zeit mit dem Menschen,  den ich meinen Mann nenne und jede Menge Streit.  Wenn ich anderen helfe, ist das meist ein Automatismus. Ich tue es nicht,  weil ich etwas zurück haben will, sondern nur,  weil es einfach so passiert.
… 3 älteren Damen den Koffer in die Gepäckablage heben und wieder runter,  weil ich Mitleid habe…
…Menschen die stürzen, wieder aufhelfen, weil ich ihre Not fühle…
…mein Frühstück einem Schüler geben, weil er keins von seinen Eltern bekommen hat…
…in der Pause zuhören,  Tränen trocknen, Streit schlichten und auf den eigenen Toilettengang verzichten,  weil ich Verzweiflung spüre…
Die Liste ist lang und ich mache es aus Überzeugung. Doch irgendwie scheint diese Überzeugung falsch zu sein,  denn nur wenn ich schreie, weine, tobe und trete, merkt die Welt,  dass ich auch da bin.
Ich war immer der Meinung,  dass sich die Welt so zu mir verhält,  wie ich ich zu ihr. Doch bin ich hilfsbereit,  aufmerksam und liebevoll, schreit die Welt um mich herum nach mehr.
     “SCHATZ, kannst du die Hose noch reinigen?”
     “FRAU…., Ihr Frühstück sieht so lecker aus. Kann ich auch mal probieren?”
      ” SIE haben die letzten Aufträge so gut erledigt.  Können Sie das für die Schule auch mit erledigen?”

….Kann ich nicht! Will ich nicht! Muss ich nicht!

Und ich mach es trotzdem.

Ich bitte T. um Hilfe,  hoffe,  dass er sieht,  wenn mir die Kraft fehlt und ich traurig bin, wenn ich 12 Stunden in der Schule bin,  weil nach dem Unterricht noch Konferenzen und Hilfeplan-Gespräche mit dem Jugendamt in meiner Freizeit stattfinden.

Doch er sieht es nicht.

Ich artikuliere meine Wünsche deutlich. Doch er versteht mich nicht.

Ich will keinen Schmuck,  kein Geld,  keine Reisen.  Ich will zuhause sein bei ihm, will seine Nähe,  seine Aufmerksamkeit. Doch ich bekomme es nur,  wenn ich tobe,  schreie und weine.

Das habe ich von T.s Kindern gelernt.  Immer der,  der am lautesten schreit,  wird beachtet.

Und ich schreie…ich kämpfe…
Doch gegen 90kg pubertierende  Kampfmasse des Ältesten,  klimpernde Wimpern,  seiner Prinzessin oder gegen das nach Liebe schreiende Chaos des Jüngsten ist meine Stimme zu schwach. …

Diese Woche habe ich meinen 35. Geburtstag.  Ich feiere ihn nicht. Den Tag verbringe ich allein, denn die, die ich liebe,  haben andere Pläne. ..Sie sind bei denen,  die noch lauter schreien.

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