Meine Schweiz – Miini Schwiiz

So kompliziert,  wie das Leben mit meinem Mann ist, so komplex ist mein Verhältnis zur Schweiz.  Ich liebe den Akzent und versteh die meisten Schweizer zu 90%. Nie würde ich aber in der Öffentlichkeit wagen Schweizerdeutsch zu sprechen. Ich finde, wenn es aus meinem Mund kommt, macht es immer den Anschein,  als würde ich mich lustig machen.  Da oute ich mich lieber mit Hochdeutsch.

Leider empfinde ich die Schweizer als etwas zurückgezogen,  so dass es total schwierig ist,  neue Kontakte,  ja vielleicht gar Freundschaften zu schließen.  Da kann man noch so freundlich,  nett und hilfsbereit sein, ständig wird man argwöhnisch aus dem Augenwinkel betrachtet.

Was mich aber im wieder in die Schweiz zieht, ist die Natur.

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Eine ganze Menge Museen, Kirchen und historische Gebäude,  die sich malerisch in die Landschaft fügen und zum Verweilen einladen, führen auch bei mir dazu, dass ich selten zuhause hocken kann.

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Ich liebe es aber auch die Bahnhofstraße in ZH entlang zu bummeln. Auch wenn ich mir kein einziges Stück leisten kann und will,  ist der Weg zum Zürisee, gesäumt von Luxusläden ein Weg ans Licht.

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Bin ich in ZH führt mein erster Weg zum See und mein zweiter ins Niederdorf. Zwischen bunten Häusern in den engen Gassen tummeln sich einige kuriose Geschäfte und Geschäftsideen.
Es gibt Antiquitäten und Ramsch für Touristen, Delikatessen und Fastfood und es gibt die Ässbar. Ein kleiner Laden, der Backwaren frisch von gestern zu fairen Preisen verkauft. 

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Die Idee ist es wert dafür Werbung zu machen,  da die Initiatoren sich entschlossen haben,  mit ihrem Geschäftskonzept der Lebensmittelverschwendung den Kampf anzusagen und gleichzeitig dem Portemonnaie einen guten Dienst tun.

Meiner Meinung nach ein fortschrittlicher Gedanke.

Weniger fortschrittlich empfinde ich die Familienpolitik der Schweiz.  Ein Grund,  warum ich zögere, die Ländergrenzen auf Dauer zu übertreten.
Wenn man sich in der Schweiz entscheidet, eine Familie zu gründen,  bedeutet das fast zeitgleich für eine Frau ihren Beruf für die nächsten 5-10 Jahre auf Eis zu legen, wenn nicht sogar ganz an den Nagel zu hängen.
Während man in Deutschland nach der durchden Staat unterstützen Elternzeit fast sorglos auf einen bezahlbaren Krippen- oder Kindergartenplatz zurückgreifen kann, ist in der Schweiz so was nur möglich,  wenn mindestens ein Elternteil seinen kompletten Lohn für die Kinderbetreuung ausgibt.

Hinzukommt,  dass ich das Gefühl habe, dass man in der Schweiz als Rabenmutter gilt, wenn man sein Kind bevor es 5 Jahre geworden ist, in fremde Hände gibt.
Erziehung passiert zuhause.  Ausschließlich zuhause. Aus meinem Blickwinkel nicht immer die günstigste Wahl. Während deutsche Kinder mit Gleichaltrigen soziale Kontakte knüpfen und neben sozialen und kommunikativen Kompetenzen auch Lernkompetenzen entwickeln,  haben schweizer Kinder als Interaktionspartner meist nur Eltern oder Geschwister zur Verfügung.  Wenn denen dann Reden, Fragen und Spielen zu viel wird, übernehmen TV oder Nintendo Nanny-Dienste.

Das Kindergärten einen positiven Effekt auf die Entwicklung der Kinder haben und keineswegs für ein schlechtes Gewissen und soziale Entfremdung sorgen, belegen auch Studien.

Kaum ist das Kind dann in der Schweiz schließlich in der (Vor-) Schule,  könnte man sich als Frau seiner beruflichen Tätigkeit widmen, wenn nicht 2 Stunden Mittagspause im Schulbetrieb dem ganzen einen Strich durch die Rechnung machen würden.

Die Kinder kommen nach Hause, um zu essen und gehen dann zurück zur Schule. Eine neue Möglichkeit für Vollzeitarbeit verschwunden. Während der Mann den kompletten Lebensunterhalt verdient und selten vor 18:00 zuhause ist, ist die Frau weiter an Heim und Herd gefesselt. Familienleben ist so auch nich wirklich drin.

In Deutschland eher undenkbar.  Es gibt Schulessen und nach dem Unterricht bis zur 4. Klasse qualifizierte Betreuung durch  Erzieher.  Es werden Ausflüge und Hausaufgaben gemeinsam gemacht und die Kinder können mit Freunden sinnvollen Beschäftigungen nachgehen. Wenn die Kinder dann zwischen 15:00-16:00 aus der Betreuung von Mama oder Papa abgeholt werden, bleibt genug Zeit für einen gemeinsamen Nachmittag.

Es schreckt ab, wenn ich gebildete Frauen sehe, die Abitur und Studium mit Bravour gemeistert haben, einen Job besitzen mit dem sie zufrieden sind und dann nach der Geburt ihres ersten Kindes nur noch für Wäsche waschen,  kochen und putzen leben.

Da denk ich dann doch lieber an die Sonne über den Baumwipfeln.

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One Response to Meine Schweiz – Miini Schwiiz

  1. Tja, so ist es leider tatsächlich.
    Also ich oute mich dann mal als Rabenmutter 😉

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