Deus ex machina

Ich kann dich nicht festhalten – hier bei mir.  Da sind deine Kinder,  dein Job,  deine Eltern.
Ich kann dich aber auch nicht loslassen. Da ist dieses Gefühl,  du gehörst zu mir,  wie ein fehlendes Puzzleteil.
Ich werde verrückt mit der Tatsache,  nichts tun zu können.
Es eskaliert immer öfter.  Die Schutzschicht, die ich mir zugelegt habe, ist dick, aber brüchig.
Gestern Nacht,  als ich verzweifelt ins Freie rannte,  kam plötzlich ein Mann auf mich zu.
Er setzte sich neben mich und stellte sich vor.  Dann hörte P. zu. Hörte sich jedes zusammenhangslose Detail an, das aus mir raussprudelte, T.s Unpünktlichkeit,  seine Unmengen von Arbeit und seine geringe Zeit,  die Gleichgültigkeit und Ignoranz seiner Familie.  Einfach alles hörte P. sich geduldig an und beruhigte mich.
Ich tankte Kraft, die sich heute Morgen in Luft auslöste.
Ch., T.s großer Sohn,  erklärte mir, dass es viele Gründe gibt,  warum sie mich schneiden.  Vor allem ist aber die Loyalität zu seiner Mutter,  die das Schweigen zu mir begründet.  Nicht,  dass ich T.s Ehe zerstört hätte,  ich kam 5 Jahre nachdem das passierte, aber die Kinder habe n den Eindruck,  sie müssten retten,  was ihre Mutter vor fast 10 Jahren durch den Betrug zerstört hatte.
Meine Gefühle und das Glück ihres Vaters ist dabei nebensächlich.
Als ich das erkannte, ging ich raus. Ich schaute an sämtlichen Eingängen gegenüber,  ob ich P. finden könnte.  Ich brauchte Rat.
Doch traute ich mich nicht zu klingeln.
“Deus ex machina, deine Arbeit ist noch nicht beendet.  Hilf mir,  wenn ich dich am dringendsten brauche.”

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PREISpolitik

Seit Monaten geistert der Frankenschock, überhöhte Preise für deutsche Presseerzeugnisse und der Einkaufsrausch im angrenzenden Ausland durch schweizer Gemüter. Das Ausland gilt als unfair, schweizer Preise als zu hoch und der Unmut darüber ist grenzenlos.
Zaghaft muss muss man sich dabei wundern, dass die Deutschen dabei immer die Bösen sind. Auch schweizer Produzenten und Händler mischen meiner Meinung nach fleißig mit. So habe ich vor 2 Wochen bei Coop für einen Chai Latte von Emmi 2,25 Franken bezahlt,  drei Tage später in Deutschland konnte ich den gleichen Chai für 1,59 Euro erwerben.
Noch bizarrer sind Ansätze von Migro, die jetzt über einen deutschen Online-Shop verfügt.
Hier gibt es zum Beispiel Eimalzin Branches (30er/ 750g) für 9,99 Euro, im Wochenangebot der Migro kostet die gleiche Pakung 11,50 Franken.

Wo bleibt da der schweizer Aufschrei?
Oder fürchtet man doch um die hohen Löhne?
Vielleicht will auch jemand nur den Fünfer und das Weggli zugleich.

http://www.migros-shop.de/branches-eimalzin-30er.html

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Collecting you

My apartment looks quite spartan. White walls with nearly no picture on it, a really big black table and four chairs, a huge couch, wardrobe, cupboard, less decoration. A lot of space.  120 m.
No dirt, no dust. Just space to breathe easy. Everything on its place. Everytime. No mixed styles,   no sign of creativity. I love this way to live. Nothing that could harm my freedom, nothing to take care for, no trend to follow.

But that’s just the first sight.

In fact I’m a collector.

Inside my wardrobe and my cupboard there are treasures, bursting the regular order. Between the shining, filigree silverware in the drawer there’s knife and fork which differ from the other. Simple, unexiting, cheap.   Latest pieces I put in my bag as I left you early in the morning.

I would have never bought myself, because of quality. But now I’d never miss it, cause of you.

Boxes in my cupboard, choclate and chili in the fridge, your razor in the bathroom and a shinai in the bedroom. 

Never going to use this things,  but
enjoying to own.

The more I’m collecting in my home the more the greatest wish seems to come true.

In a little box in my bedroom I placed all your letters, the coke with our names printed on it, some dried flowers, tickets, photos and all the other stuff on which the sticky dust of memory left its mark.

Your hair strand covers the picture in my purse and the silver ring you gave me, decorates my finger.

Each time I’m leaving you something of your property escorts me on my lonely way home.
Whenever you’re with me, some of your things left behind by luck.

Underwear, socks, T-Shirts neatly are between my clothes. Your pajamas I just stuffed under my pillow. Each night I’m absorbing all the scent of you which lefts in the fibers, grabbing all the memories to keep you in my mind, remembering your warm and gentle touch, dreaming of a future the most beautiful artwork of the collection at last will be mine forever. 

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Meine Schweiz – Miini Schwiiz

So kompliziert,  wie das Leben mit meinem Mann ist, so komplex ist mein Verhältnis zur Schweiz.  Ich liebe den Akzent und versteh die meisten Schweizer zu 90%. Nie würde ich aber in der Öffentlichkeit wagen Schweizerdeutsch zu sprechen. Ich finde, wenn es aus meinem Mund kommt, macht es immer den Anschein,  als würde ich mich lustig machen.  Da oute ich mich lieber mit Hochdeutsch.

Leider empfinde ich die Schweizer als etwas zurückgezogen,  so dass es total schwierig ist,  neue Kontakte,  ja vielleicht gar Freundschaften zu schließen.  Da kann man noch so freundlich,  nett und hilfsbereit sein, ständig wird man argwöhnisch aus dem Augenwinkel betrachtet.

Was mich aber im wieder in die Schweiz zieht, ist die Natur.

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Eine ganze Menge Museen, Kirchen und historische Gebäude,  die sich malerisch in die Landschaft fügen und zum Verweilen einladen, führen auch bei mir dazu, dass ich selten zuhause hocken kann.

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Ich liebe es aber auch die Bahnhofstraße in ZH entlang zu bummeln. Auch wenn ich mir kein einziges Stück leisten kann und will,  ist der Weg zum Zürisee, gesäumt von Luxusläden ein Weg ans Licht.

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Bin ich in ZH führt mein erster Weg zum See und mein zweiter ins Niederdorf. Zwischen bunten Häusern in den engen Gassen tummeln sich einige kuriose Geschäfte und Geschäftsideen.
Es gibt Antiquitäten und Ramsch für Touristen, Delikatessen und Fastfood und es gibt die Ässbar. Ein kleiner Laden, der Backwaren frisch von gestern zu fairen Preisen verkauft. 

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Die Idee ist es wert dafür Werbung zu machen,  da die Initiatoren sich entschlossen haben,  mit ihrem Geschäftskonzept der Lebensmittelverschwendung den Kampf anzusagen und gleichzeitig dem Portemonnaie einen guten Dienst tun.

Meiner Meinung nach ein fortschrittlicher Gedanke.

Weniger fortschrittlich empfinde ich die Familienpolitik der Schweiz.  Ein Grund,  warum ich zögere, die Ländergrenzen auf Dauer zu übertreten.
Wenn man sich in der Schweiz entscheidet, eine Familie zu gründen,  bedeutet das fast zeitgleich für eine Frau ihren Beruf für die nächsten 5-10 Jahre auf Eis zu legen, wenn nicht sogar ganz an den Nagel zu hängen.
Während man in Deutschland nach der durchden Staat unterstützen Elternzeit fast sorglos auf einen bezahlbaren Krippen- oder Kindergartenplatz zurückgreifen kann, ist in der Schweiz so was nur möglich,  wenn mindestens ein Elternteil seinen kompletten Lohn für die Kinderbetreuung ausgibt.

Hinzukommt,  dass ich das Gefühl habe, dass man in der Schweiz als Rabenmutter gilt, wenn man sein Kind bevor es 5 Jahre geworden ist, in fremde Hände gibt.
Erziehung passiert zuhause.  Ausschließlich zuhause. Aus meinem Blickwinkel nicht immer die günstigste Wahl. Während deutsche Kinder mit Gleichaltrigen soziale Kontakte knüpfen und neben sozialen und kommunikativen Kompetenzen auch Lernkompetenzen entwickeln,  haben schweizer Kinder als Interaktionspartner meist nur Eltern oder Geschwister zur Verfügung.  Wenn denen dann Reden, Fragen und Spielen zu viel wird, übernehmen TV oder Nintendo Nanny-Dienste.

Das Kindergärten einen positiven Effekt auf die Entwicklung der Kinder haben und keineswegs für ein schlechtes Gewissen und soziale Entfremdung sorgen, belegen auch Studien.

Kaum ist das Kind dann in der Schweiz schließlich in der (Vor-) Schule,  könnte man sich als Frau seiner beruflichen Tätigkeit widmen, wenn nicht 2 Stunden Mittagspause im Schulbetrieb dem ganzen einen Strich durch die Rechnung machen würden.

Die Kinder kommen nach Hause, um zu essen und gehen dann zurück zur Schule. Eine neue Möglichkeit für Vollzeitarbeit verschwunden. Während der Mann den kompletten Lebensunterhalt verdient und selten vor 18:00 zuhause ist, ist die Frau weiter an Heim und Herd gefesselt. Familienleben ist so auch nich wirklich drin.

In Deutschland eher undenkbar.  Es gibt Schulessen und nach dem Unterricht bis zur 4. Klasse qualifizierte Betreuung durch  Erzieher.  Es werden Ausflüge und Hausaufgaben gemeinsam gemacht und die Kinder können mit Freunden sinnvollen Beschäftigungen nachgehen. Wenn die Kinder dann zwischen 15:00-16:00 aus der Betreuung von Mama oder Papa abgeholt werden, bleibt genug Zeit für einen gemeinsamen Nachmittag.

Es schreckt ab, wenn ich gebildete Frauen sehe, die Abitur und Studium mit Bravour gemeistert haben, einen Job besitzen mit dem sie zufrieden sind und dann nach der Geburt ihres ersten Kindes nur noch für Wäsche waschen,  kochen und putzen leben.

Da denk ich dann doch lieber an die Sonne über den Baumwipfeln.

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Die kluge Lovis

Es war einmal eine rechtschaffene junge Frau namens Lovis, die den Unterhalt für sich und ihr einziges Kind mit redlicher Arbeit verdiente.
Sie lebte allein mit ihrem Sohn in einer großen Stadt und sehnte sich nach Jahren der Entbehrung nach einem neuen Gefährten. Doch so sehr sie sich auch bemühte, war unter all den Einwohnern des Ortes kein Mann zu finden,  der zu ihr passte.
Gefiel ihr das Aussehen, hatte der Erwählte einen schwarzen Charakter oder war einfältig wie ein Huhn. Traf sie einen, der gebildet und strebsam war, interessierte der sich nur für sein eigenes Fortkommen. Die Männer waren Schwätzer, faul oder gierig, treulos oder so gottesfürchtig, dass der Liebe abschworen.
Nach einiger Zeit hatte sich Lovis damit abgefunden, ihr Leben mit ihrem Sohn allein zu fristen, da ergab es sich, dass die jährliche Frühjahresmesse allerlei Händler und Besucher in die Stadt zog. Da die Unterkünfte und Pensionen dem gewaltigen Zustrom nicht gewachsen waren, bot Lovis ihr eigenes Zimmer für Übernachtungen feil und beschloss, selbst mit ihrem Sohn auf einem kleinen Teppich auf dem Küchenboden zu nächtigen.
Schon am Nachmittag klopfte ein fremdaussehender Mann mit drei Kindern an ihre Tür. Alle vier hatten Haare so schwarz wie Ebenholz, mandelförmige Augen und eine Haut, die wie Bronze schimmerte.
Nachdem sie einen angemessenen Preis vereinbart hatten, bezog die kleine Familie das Zimmer und machte sich sogleich mit vielen Koffern auf den Weg zur Messe.
Bis spät in die Nacht waren sie jeden Tag unterwegs,  sodass Lovis ihnen meist ein kleines Abendessen aufs Zimmer stellte. Am Morgen verließen sie die Wohnung noch vor dem ersten Hahnenschrei. Lovis wäre es kaum aufgefallen,  dass Fremde die Wohnung bewohnten, hätte sie des Nachts nicht dem Gemurmel der unbekannten Sprache lauschen können. Das melodische Plätschern der Worte hüllte sie ein und bescherte ihr wunderschöne Träume.
Doch nach etwa 7 Tagen sollte die Messe ihr Ende finden, sodass Lovis schon traurig der Abreise der Unbekannten entgegensah.
Am Morgen des vorletzten Tages fand sie einen Zettel in ihrer Kammer, auf der sich der Mann für die freundliche Bewirtung bedankte und seine nahende Abfahrt ankündigte. Betrübt las die junge Frau den Zettel mehrfach.  Sie wusste nicht, warum sie soviel Zuneigung zu dem Fremden empfand  und wünschte sich, sie hätte mehr Zeit, es zu ergründen.
Und als hätte der Himmel ihre Gebete erhört, kam die Familie bereits am frühen Nachmittag nach Hause.
Die vier waren ohne Gepäck zurückgekehrt und schienen, bestürzt.
Entschlossen schob Lovis sie in die Küche und kochte ihnen einen Tee. Während die vier Kinder gemeinsam miteinander spielten, redeten die beiden Erwachsenen miteinander.
Es stellte sich heraus,  dass Norbu und seine Kinder auf dem Rückweg überfallen wurden und nun all ihres Hab und Gutes beraubt waren.
Es war ihnen nun weder möglich ihre Schulden bei Lovis, noch die Rückfahrt zu zahlen. Doch der Norbu bat Lovis an, wenn sie ihn noch ein pasr Tage länger in ihrem Haushalt duldete, schwere Arbeiten zu übernehmen und sich das Geld von seiner Mutter im Nachbarland schicken zu lassen.
Halb mitfühlend,  halb erfreut willigte Lovis ein. Die schlimme Begegnung der Fremden schien für sie einen großen Wunsch zu erfüllen.
In den nächsten Tagen verrichtet Norbu längst notwendiges Handwerk in der Wohnung während Lovis ihr Taggeld verdiente.
Kam sie nach Hause fingen ihre Augen an zu strahlen und ihr Herz ging auf, weil sie bereits auf der Treppe Norbus beruhigendes Murmeln und sein ehrliches Lachen vernahm.
Etwa eine Woche genoss Lovis dieses Zusammenleben, sie erfuhr vom Schicksal der Fremden und teilte ihr Leben mit ihnen.  Langersehntes Glück war in die vier Wände eingekehrt. Sie wollte sich ein Leben ohne Norbu nicht mehr vorstellen.
Und doch machte das Schicksal ihr einen Strich durch die Rechnung.
Am Sonntag nach dem Gottesdienst erklärte ihr Norbu, dass er nun alles Geld bekommen habe,  seine Schulden bezahlen und dieHeimreise antreten könne.
Lovis zerbrach das Herz.  Unter vielen Vorwänden bat sie Norbu zu bleiben,  doch dieser fühlte sich fremd in der großen Stadt und sagte zu ihr:”Mein Heim, mein Hab und Gut sind im Nachbarland. Dort verdiene ich mein täglich Brot. Selbst meine Kinder da zu Hause. Ich gehöre nicht hier her.”

Lovis sah, dass sie ihn nicht umstimmen konnte und fügte sich ihrem Schicksal. Weinend verabschiedete sie die Familie und gewöhnte sich schweren Herzens an ihren Alltag.
Sie ging ihrer Arbeit nach,  scherzte und spielte mit ihrem Sohn und doch war ihr leer und kalt im Inneren. Ihr fehlte Norbu und es fiel ihr schwer ohne  ihn zu leben.

Eines Tages erreichte sie ein Brief. Auf schwerem, teuren Büttenpapier stand in Norbus Handschrift geschrieben,  dass er ihre Gegenwart vermisse und sie auf einen Besuch in sein Land einlade. Zudem befanden sich einige Geldscheine und zwei Fahrkarten i  Umschlag,  sodass sie am nächsten Tag,  die lange Reise mit ihrem Sohn antreten konnte. An Flüssen,  Seen und Bergen vorbei verbrachten die beiden einen ganzen Tag in ihrem Gefährt bevor sie endlich von Norbu in Empfang genommen wurden.

Wieder zusammen,  unternahmen die Sechs Ausflüge, erkundeten die Gegend und genossen ihre Gegenwart. 
Doch auch hier sollte die Abreise nahen. Diesmal,  war es Norbu der Lovis bat zu bleiben,  denn auch empfand Nähe zu der jungen Frau und ihrem Sohn.
Und diesmal war es Lovis, die es aus den gleichen Gründen ablehnte zu bleiben.

So geschah es, dass für eine Weile die beiden mit ihren Familien durch die Lande zogen, weil sie die Heimat nicht verlassen, aber auch die Liebe nicht aufgeben konnten. Jeder Abschied war vom Wunsch beseelt, der andere möge entgültig bleiben und von Erkenntnis der Realität geblendet, dass die Heimat ihre Fesseln nicht löste.
Lovis brach es das Herz, Norbu wieder und wieder zu verlassen und verzweifelt nahm sie jedes mal ein kleines Stück von ihm mit, dass ihr die Sehnsucht in ihrem Heim erträglich machen sollte.
Sie liebte Norbu und hatte bald seinen halben Hausstand in ihrer kleinen Wohnung, als sie bemerkte, dass sie schwanger war. Es war kaum vier Wochen her, dass sie Norbu zuletzt sah und es würde noch Monate dauern,  bis sie ihn wiedersah, da die Fahrt so lang und beschwerlich war, sodass  es ihr nach gründlichem Nachdenken in den Sinn kam, Norbu einen Brief zu schreiben,  der ihrer beider Leben ändern sollte.

     Geliebter Norbu,
      siehe da sich eine neue Messe ergibt, warten beträchtlich Arbeit und große Gewinne in meiner Stadt. Ich erwarte dich in einer Woche.

      Deine Lovis

Lovis war sich sicher, dass der strebsame und tüchtige Norbu sich das nicht entgehen lassen würde.
Sie ging zum Betreiber vom Messeamt und fragte für ihren Geliebten nach einer Stelle und richtet die Wohnung her.

Als Norbu erschien,  fühlte er sich nicht nur durch Lovis Anwesenheit seltsam heimisch. War er sonst seltsam fremd durch die Räume gegangenen,  erinnerten ihn nun viele kleine Gegenstände an zuhause. Es ging ihm wohl und er arbeitete fleißig, doch als Lovis ihn fragte, ob er bliebe, verneinte er mit den bekannten Worten: “Mein Heim, mein Hab und Gut sind im Nachbarland. Dort verdiene ich mein täglich Brot. Selbst meine Kinder da zu Hause. Ich gehöre nicht hier her.”

Doch diesmal antwortete Lovis gewitzt: “Seit Tagen bist du hier. Du fühlst dich wohl in deinem Heim, weil hier dein Hab und Gut sicher ist.” Und sie deutete dabei auf all die Dinge, die sie von ihm gesammelt hatte.
Dann legte sie ihm seinen Arbeitsvertrag mit dem Messeamt vor und deutete ihm, dass auch hier sein täglich Brot zu verdienen wäre, bevor sie ihn schließlich küsste, seine Hand auf ihren leicht gewölbten Bauch legte und ihm sagte:”Und auch dein Kind hat hier sein Zuhause.”

Da konnte Norbu nicht mehr anders. Er fügte sich seinem schlauen Weibe. Für einige Wochen fuhr er zurück ins Nachbarland,  packte die Koffer, nahm seine Kinder und zog zu Lovis.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

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Niemand kann dich leiden

“Niemand kann dich leiden!” Dieser Satz hallt seit Stunden durch meinen Kopf. Nein – er hallt nicht, er zischt.
Er zischt wie von hunderten Schlangenzungen vervielfacht in meinem Gehirn. Meine Hände sind kalt, wenn ich die Schlangen wispern höre und mein Bauch verkrampft sich. 
Ich weiß nicht,  wie ich jemals wieder T. in die Augen schauen, geschweige denn Zärtlichkeiten austauschen soll.
So habe ich ihn noch nie erlebt.  Die Kälte kriecht durch meinen Körper, wenn ich an ihn denke.
Plötzlich weiß ich nicht mehr, mit welchem Mann ich da zusammen bin.
Ich bin mir sicher, dass dieser Satz nicht wahr ist, denn ich habe gute Freunde, auf die ich mich blind verlassen kann.
Dennoch haben mich diese vier Worte bis ins Mark erschüttert und mir den Boden unter den Füßen weggezogen.
Ich habe sicher eine Stunde ununterbrochen geweint und konnte selbst als ich meinen Sohn zur Schule brachte, die Tränen nicht unterdrücken.

Ich weiß,  wen T. mit NIEMAND meint.  Seine Familie.  Seine drei Kinder, die sich unentwegt als “Missgeburt” und “Dreckskinder” beschimpfen. Die sich wünschen, jeweils als Einzelkind in der Familie aufzuwachsen und den anderen mit Flüchen belegen wie “Ich wünschte du kommst ins Heim!”. Genau diese drei Kinder, die ihm im Bedarfsfall an den Kopf werfen, er sei asozial und die ihre Oma zum Teil meiden, weil sie finden, sie wäre gemein zur Mutter.

Es sollte mich also nicht stören, wenn ich jetzt auch beschimpft werde. Einen kleinen Vorgeschmack gab es ja schon zu Weihnachten,  als T.s Tochter über mich “MOTHERFUCKER B.” an den Spiegel schrieb, wofür sie im übrigen nie wirkliche Konsequenzen erfahren hat, weil sie sich gerade in einer schulischen Ausnahmesituation befand und T. sie mit Strafen nicht noch mehr belasten wollte.

Aber das Ganze stört mich. Denn die Worte kamen von T.
Seit längerem,  sagen meine Freunde, ich soll nach Hause kommen. Meine Mutter fragt intuitiv,  ob es mir gut geht,  weil sie fühlt, dass ich langsam zusammenbreche.

Und doch habe ich gehofft, es würde sich etwas ändern.

Seit heute morgen fehlt diese Hoffnung.  Mein Kopf ist leer. Ich habe Angst vor einem Zusammentreffen mit T., weil ich weiß,  dass wir uns nie wirklich verstehen werden.

Er streut Lockmittel und erzählt mir,  dass die Kinder groß werden und er keine Rücksicht mehr auf ihre Befindlichkeiten legen  muss.
Im Moment werde ich noch wie ein krankes Tier von der Herde separiert.  Wenn seine Kinder nicht wollen, dass ich da bin, werde ich vertröstet und Termine verschoben. Ob ich Ostern, Weihnachten oder Urlaub mit T. erleben darf ist ein Glücksspiel.  Je nach Laune der Kinder, darf ich Teil der Familie sein. Seine Kinder bestimmen den Weg.
Auch wenn ich seit fast vier Jahren mit T. zusammen bin, habe ich noch keinen einzigen Geburtstag mit ihm gefeiert, weil ich blöderweise am gleichen Tag wie sein ältester Sohn geboren bin.

Nun soll ich mich mit dem Gedanken zufrieden geben,  dass  sie größer werden.
Sein Jüngster wird in diesem Jahr 11.

Für mich, wenn ich mich nicht entgültig trenne, nur die Perspektive die nächsten 7 Jahre allein zu verbringen.

Frohe Ostern, schönen Urlaub, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und frohe Weihnachten mir selbst.
DIE WELT LIEBT DICH! DU MUSST NUR EIN PAAR JAHRE WARTEN.

https://youtu.be/fOIW1yIyHF8

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100 erste Mal

Wenn ich jemandem erzähle, wie T. und ich uns im Chat kennengelernt haben,  ist mit einem Lächeln der Verzückung oder einem verträumten Seufzen kaum zu rechnen. Weder Ort noch Umstände würden das rechtfertigen.

Den Meisten geistern sicherlich eher Worte wie VERZWEIFLUNG oder  LETZTE CHANCE durch den Kopf, bevor die skeptische Augenbraue zu zucken beginnt und man sich zynische Kommentare verkneift.

Mir geht es bis heute ähnlich.  Ich finde Menschen seltsam,  die im Internet ihren Partner fürs Leben suchen, sich hinter geschönten Lebensläufen und retuschierten Fotos verstecken, weil sie sich nicht trauen, die große Liebe vor der eigenen Haustür zu finden.

Und doch hat es mich genau im Internet erwischt. Ohne geschöntes Profil, mit einem nichtsagenden Namen als Nick und einem Stofftier als Profilbild wollte ich nur chatten, bevor T. zum ersten Mal in mein Leben polterte.

Ziemlich unhöflich und hartnäckig mischte er sich ununterbrochen in mein Gespräch ein und drängte mich, zu antworten.  Die kalte Schulter zu zeigen half nicht, also fauchte ich ihn genervt an, dass er nicht stören soll. Doch T. gab nicht auf. Er hielt die Flamme am Lodern und die Kommunikation aufrecht. Er gab erst auf,  als ich ihm schließlich versprach mich am nächsten Tag ausschließlich ihm zu widmen.

Wie ich damals noch nicht wissen konnte, war das der Anfang vom Ende all meiner guten Vorsätze und der Beginn einer stürmischen Liebe.

Eine Weile chatteten wir miteinander,  bevor wir uns eines Tages auf Skype verabredeten.  T. war inzwischen etwas sympathischer, aber ein Grund für eine Beziehung war das in meinen Augen immer noch nicht. Trotzdem war ich neugierig,  wie er aussah.  Am vereinbarten Abend klingelte mein Laptop und gewährte mir den ersten Blick auf T.  Recht unspektakulär,  wie ich heute noch finde. In einem verwaschenen weißen T-Shirt und mit strubbeligen Haaren saß mir T. etwas selbstgefällig gegenüber. Nicht der Eindruck,  der einem Kribbeln im Bauch und weiche Knie verursacht. 

Das anschließende Gespräch verlief zäh und T. nervte. Der Eindruck eines Halbgottes, den er gerne vermitteln wollte, weckte meinen Ehrgeiz ihn auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Er imponierte und ich ließ ihn ins Leere laufen. Bis zwei Uhr morgens ging dieses Spiel, bei dem ich innerlich fast platzte. Soviel Selbstherrlichkeit war mir im Leben nie begegnet.

Verärgert legte ich mich schlafen, verärgert wachte ich auf. Meine Laune wurde auch nicht besser, als wenige Minuten nach dem Aufstehen schon die erste frohgelaunte E-Mail von T. hereinflatterte. Ihn schien der beträchtliche Schlafmangel und das ermüdende Gespräch der letzten Nacht nicht beeindruckt zu haben. Mürrisch und recht einsilbig antwortete ich ihm, doch auf das, was dann kam, war ich nicht gefasst.

ER GAB NICHT AUF.

Mit viel Witz und Charme ließ er meine Kommentare links liegen und sorgte dafür,  dass ich ihm antwortete,  ohne es recht zu wollen. Während mein Kopf sich immer noch über diesen Idioten aufregte, hatte mein Herz schon längst einen eigenen Weg eingeschlagen. Ich merkte, wie mein Puls jedesmal zu steigen begann, wenn eine Nachricht von ihm in meinem E-Mail-Fach war und ich das nächste Treffen auf Skype nicht erwarten konnte. Wir redeten über Arbeit,  Training,  Kinder und den Alltag. Leise, still und heimlich schlich sich die Liebe in unser Leben.

Das ging etwa drei Monate,  bevor wir beschlossen,  uns zu treffen. Und bevor T. schließlich kalte Füße bekam. Er, der zuvor mit seiner Hartnäckigkeit alles dafür gegeben hatte, mich wirklich kennen zu lernen,  zog sich zurück.  Plötzlich schaltete sich sein Verstand ein und schrie ihn an, die Unmöglichkeit dieser Beziehung zu erkennen.

Trotzdem kam er nach L.

Vor unserem ersten Treffen vereinbarten wir, dass wir uns lediglich sehen würden und nicht mehr.

Doch aus diesem Versprechen wurde nichts.

Ich holte T. vom Bahnhof ab. Etwas verschlafen und unsicher stand ich gegen 7:00 am Gleis. Was würde mich erwarten? Würde er tatsächlich kommen? War er der, den ich zu kennen meinte? Was würde der Tag bringen?

Der Zug fuhr ein und einige wenige Reisende stiegen aus. Auch T. stieg aus. Sein Aussehen war unspektakulär,  wie ich es gewohnt war, sein Händedruck war fest und seine starken Armen nahmen mir die Nervosität. Auf dem Weg zum Bäcker ließ er meine Hand nicht los. Wir bestellten uns ein Frühstück und setzten uns ins Café. T. setzte seine Brille ab und schaute mich lange an. Langsam kamen wir uns näher, ich spürte seine warmen weichen Lippen auf meinen, fühlte, wie sich unsere Zungen ineinander verfingen und hörte mein Gewissen streiten.

In meinem Kopf purzelten die Gedanken hin und her.

“Das war so nicht geplant.”

“Es ist nur ein Kuss.”

“Das hat keine Zukunft.”

“Es ist so schön.”

Mein Herz klopfte mir bis zum Hals. Der erste Kuss. Es fühlte sich an, als würde ich T. ewig kennen. Nachdem Frühstück brachte T. seine Sachen ins Hotel. (Ich war misstrauisch genug gewesen, mich mit ihm auf neutralem Boden zu treffen.) Danach zeigte ich ihm die Stadt.  Die ganze Zeit ließ T. meine Hand nicht los. Ab und zu stoppte er abrupt,  nur um mich von der Seite zu betrachten, mich dann zu sich zu ziehen und mich zu küssen. Ich hatte das Gefühl,  er konnte alles nicht glauben.

Wir nahmen uns ganz fest vor, nicht weiter zu gehen und besorgten uns doch zur Vorsicht eine Packung Kondome. Nachdem Mittag gingen wir ins Hotel. T. war von meinem straffen Tagespensum müde und wollte sich etwas ausruhen. Ich legte mich neben ihn und kuschelte mich an. Wir küssten uns innig und unsere guten Vorsätze gingen über Bord.

Noch heute huscht mir ein breites Grinsen übers Gesicht, wenn ich an dieses erste Mal denke. Nach weniger als 48 Stunden mussten wir uns wieder trennen.   Ich hatte T. heimlich meine schwarze Spitzenunterwäsche ins Gepäck geschmuggelt. Zumindest das sollte ihm als Erinnerung bleiben. Was aus UNS werden würde, war uns beiden noch unklar und doch hatte das Karma offenbar einen Weg für uns vorgesehen,  den wir selbst noch nicht kannten.

Ich sah T. wieder. Erst in K. dann später bei ihm in ZH.

Das erste Mal in der Schweiz und doch –  ich war zuhause.  In den Ferien lebte ich eine Woche bei ihm und genoss seine Nähe. Er hatte mir Platz in seinem Schrank gemacht und Platz in seinem Leben. Auch wenn wir immer noch keinen Plan hatten, beschlossen wir, dass dies unser persönlicher Stresstest werden sollte. Es galt das erste Mal gemeinsam den Alltag zu überstehen und die Gedanken zu ordnen. Die Woche verging wie im Flug.

Danach war an ein Leben ohne den anderen nicht mehr zu denken.

Ich überlebte das erste babylonische Sprachengewirr bei T.’s Familie, bekam mein erstes wirklich rührendes Geburtstagsgeschenk,  versöhnte mich nach dem ersten Streit, feierte mit T. zum ersten Mal Weihnachten,  Losar und Sylvester, durfte den ersten Urlaub mit T.  genießen….

Fast vier Jahre später blicke ich zurück auf eine stürmische  Beziehung,  auf eine Beziehung ohne Plan und einen Weg, der sich im Gehen ebnet…

BABY …ich freue mich auf das erste Mal, wenn du nicht wieder gehst. image

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